Kodak-Smartphone im Retro-Kamera-Look im Test

Kodak EktraKodak Ektra

Im Retro-Foto-Look ist die Kodak Ektra gehalten. Ihre Leistung ist insgesamt ordentlich, doch möchte das Design mehr vortäuschen, als die Smartphone-Kamera bietet.

Smartphones haben so manchen Kamerahersteller in wirtschaftliche Schieflage gebracht und einige sogar in die Pleite getrieben – so auch Kodak. 2011 musste dieses traditionsreiche Unternehmen, der zwar Digitalkamera-Pionier war, aber die digitale Welle dann doch verpasst hat, Konkurs anmelden.
Nun hat die britische Bullitt Group den Namen Kodak lizenziert. Unter anderem ist dieses Unternehmen für die Smartphone-Marken CAT und JCB bekannt. Mit dem Foto-Smartphone Kodak Ektra bringt das Unternehmen kurz vor Weihnachten ein Smartphone in die Verkaufsregale, das vor allem die fotobegeisterte Kundschaft ansprechen soll. Dabei möchte der Hersteller die Kodak Ektra in Tradition zu den analogen Kodak-Kameras gleichen Namens stellen, dessen Serie 1941 begann.

Das Äußere

Die Kunstleder-Vorderseite mit eingestanztem Kodak-Logo ist griffig und lässt das Smartphone durchaus Wertig erscheinen. Und das, obwohl das Gehäuse aus Plastik gefertigt ist. Denn umsäumt ist die Ektra mit einem Plastik-Rahmen in Metall-Look. Die Griffwulst an der rechten Seite und der extra angebrachte Auslöse-Knopf für die Kamera sorgen zusammen mit der gummierten Front dafür, dass das Smartphone beim fotografieren gut in der Hand liegt. Außerdem lässt sich eine Handschlaufe befestigen und als Extra gibt es passende Hüllen im Leder-Retro-Look.

Kodak Ektra

Das Objektiv der Kodak Ektra ragt aus dem Hehäuse hervor. Einen technischen Nutzen hat dies nicht, es ist nur ein Design-Element des Smartphones.

Kodak Ekra Rückseite

Die Kamera der Kodak Ekra lässt sich gut bedienen. Gut gefällt das Wahlrad für die verschiedenen Kamera-Modi.

Die Kamera

Das ausladende Objektiv, das rund einen halben Zentimeter aus dem Gehäuse herausragt, ist nur Show. Es wurde laut Hersteller aus Design-Gründen so verbaut, insbesondere aus dem Grund, da man an das Design der ersten Kodak Ektra Kamera anknüpfen wollte.
Manch einem wäre sicherlich eine möglichst flache Bauweise des Smartphones lieber gewesen – beziehungsweise ein großflächigerer Bildsensor, der tatsächlich eine so ausladendes Objektiv braucht. Ein Vorbild dazu gibt es: Das Smartphone Panasonic CM1, das mit viel Tam-Tam im Jahr 2014 auf der Photokina vorgestellt wurde, mittlerweile aber wieder vom Markt verschwunden ist. Und so ist die Kodak Ektra eben doch ein fast normales Smartphone mit Kamera – und nicht eine Kamera mit Smartphone-Funktionen wie die Panasonic CM1.

Kodak Ektra Beispielbilder

Bild 1 von 7

Kodak Ektra Beispielbilder: Der Bokeh-Modus, der den Hintergrund unscharf erscheinen lässt, ist durchaus gut gelungen. Allerdings muss man ziemlich genau die Entfernung zum Motiv einhalten.

Die Bildqualität der Ektra ist zwar ordentlich, kann sich aber nicht spürbar abheben von den Smartphone-Kameras der gleichen Preisklasse. In der Ektra arbeitet der CMOS-Bildsensor Sony IMX230, der Bilder mit 21 Megapixel Auflösung liefert. Der Bildsensor misst gerade mal 7,2 mm × 5,5 mm und wird auch von anderen Smartphone-Modellen wie das Huawei Honor 7, Lenovo Moto Z oder Sony Xperia Z3+ verwendet. Und immerhin kann die Ektra-Kamera einen optischen Bildstabilisator nutzen, auch das Objektiv ist mit F2.0 recht lichtstark. Die Front-Kamera löst übrigens 13 Megapixel auf und bietet ein F2.2 starkes Objektiv.

Foto-Plus durch Software statt Technik

Insgesamt ist die Kodak Ektra mit Ihrem Design und der Software-Ausstattung auf die Fotografen-Klientel optimiert, anstatt wie Panasonic es (erfolglos) vorgemacht hat, konsequent auf die Aufnahme-Technik zu setzen. Die Foto-App ist dabei durchaus gut gelungen. Über ein Wählrad, das dem einer Spiegelreflex-Kamera nachempfunden ist, kann man mehrere Modi einstellen. Darunter HDR, Panorama oder Bokeh, der für einen unscharfen Hintergrund sorgt. Aufgenommene Fotos lassen sich direkt entweder mit der recht funktionsarmen eigenen Bildkorrektur bearbeiten oder an die vorinstallierte App Snapseed weitergeben. Videos bis 4K-Auflösung kann man mit der Foto-App ebenfalls aufnehmen. Zudem ist die gewöhnungsbedürftige Video-App „Super 8“ vorinstalliert, die nostalgische Gefühle von Schmalfilm-Freunden wecken soll – dies aber sicherlich nicht schafft. Fotos lassen sich übrigens über die Bestell-App „Prints“ bei Kodak als Papier-Abzug bestellen.

Die Technik

Die Ausstattung des Ektra entspricht der Smartphone-Mittelklasse. Angetrieben wird das Kodak Ektra von dem 10-Kern-Prozessor Helio X20. Der Test mit Geekbench 4 ergibt 1679 Punkte für Single-Core und 4453 Punkte für Multi-Core. Angesichts seiner Preisklasse ist dies ein gutes Ergebnis. Das Samsung S7 Edge erreicht hier beispielsweise 1849 Punkte für Single-Core und 5270 Punkte für Multi-Core. Das Ektra nutzt für diese Preisklasse übliche 32 GB Speicher, mehr Speicher gibt es per Micro-SD-Karte. Der 3.000 mAh starke Lithium-Polymer-Akku soll laut der App Battery Doctor für über 20 Stunden reichen. Tauschen lässt er sich nicht. Android 6.0 treibt das Smartphone an und das fünf Zoll große Display, geschützt von Gorilla-Glas, löst 1.920 x 1.080 Pixel auf. Auch die Netzwerkfunktionen sind auf aktuellem Stand: Unterstützt wird LTE (4G), sowie Bluetooth 4.1 und WLAN. Auf einen Fingerabdruck-Sensor muss man allerdings ebenso verzichten wie auf einen NFC-Sensor.

Fazit

Pluspunkte kann die Kodak Ektra beim Bedienkomfort der Kamera sammeln: Sie lässt sich dank griffigem Gehäuse, extra Auslöseknopf und guter Foto-App bequem verwenden. Die Bildergebnisse sind zudem auf einem guten Niveau eines Smartphone gleicher Preisplasse. Doch im Gesamtpaket bekommt man für den aufgerufenen Preis von knapp 500 Euro hochwertiger verarbeitete Smartphones als das Kodak Ektra. Beispielsweise das Huawei P9, die sogar eine Dual-Kamera von Leica bietet, oder das Samsung Galaxy S7, das mittlerweile ab rund 500 Euro zu haben ist.