Ein Fotograf reist durch Schottland

SchottlandZuerst besuchte ich wieder ein Zisterzienser-Kloster. Melrose Abbey in der Nähe von Galashiels ist eine gigantische Klosterruine in der 1812 der Steinsarg des Zauberers, Alchemisten, Astrologen, Mediziners und Philosophen Michael Scotus gefunden wurde. Tja, und heute haben manche schon Schwierigkeiten wegen eines Doktortitels. (c) Karsten Rose

Schottland ist rau, düster und voller Mysthik – also der perfekte Urlaub für Fotografen. Wilde Highlands, es gibt an allen Ecken verwunschene Plätze. Karsten Rose nimmt uns mit auf eine Fotoreise durch das Land.

Alle in Großbritannien wollen den Brexit? – Nein, ein großes unbeugsames Land im Norden möchte in der EU bleiben: Schottland. OK, zudem auch London und Nord-Irland, nicht zu vergessen Gibraltar – der Dorn im Herzen Spaniens. Doch interessant ist vor allem Schottland. Denn die stolzen Rockträger werden sicherlich einen zweiten Anlauf wagen um sich von Großbritannien zu lösen – um dann nach einem erfolgreichen Referendum in den Schoß der EU-Familie zurück zu kehren. Sie sind eben nicht blöd, die Schotten. Eine Liebeshochzeit mit Britannien war es 1707 ohnehin nicht, vielmehr eine blutige Einverleibung.

Wildes Schottland von Karsten Rose

Wildes Schottland von Karsten Rose

Schottland Das raue und stolze Land ist auch ein Eldorado für Foto-Begeisterte. Der Fotograf Karsten Rose hat Schottland bereist und von seiner Rundreise einen sehr persönlichen und umfassenden Reiseführer speziell für Fotografen erstellt. Ein Geheimtipp für die Fotografen, die auch unbekannte Ecken von Schottland zeigen.

Hier erhalten Sie weitere Infos zum Buch. Und wenn Sie es über den angegebenen Link kaufen, unterstützen Sie gut-fotografieren.de 

 

Eine Fotografen-Reise durch Schottland

Was hat da jetzt mit der Fotografie zu tun? – Ganz einfach. Schottland bietet für einen Fotografen derart viele imposante und atemberaubende Motive, dass man sein Auge gar nicht mehr vom Sucher wegbekommt. Der Reisefotograf, Dozent und Künstler Karsten Rose ist so ein Fotograf, der von Schottland und von englischen Autos fasziniert ist. Er hat dazu über seine Rundreise einen für Fotografen wirklich praktischen Reiseführer geschrieben, der viele sehenswerte Plätze zeigt. So ist man als leidenschaftlicher Fotograf vor seinem Schottland-Urlaub bereits gut informiert. Hier sind ein paar Kostproben in Wort und Bild aus dem Buch:

Fähre nach Großbritannien

Die Fähre nach Großbritannien war keine der üblichen Luxusfähren, auf der man Kabinen mietet und die Wahl zwischen verschiedenen Unterhaltungsangeboten hat. Es gab nur ein einziges Autodeck, und es waren nur Lastwagen, ein gigantisches Wohnmobil und meine kleine, gelbe Flunder an Bord. Auch das Bordrestaurant und die einzige Bar waren leicht beengt und die Auswahl an Getränken und Speisen hielt sich in überschaubaren Grenzen. (c) Karsten Rose

Schottland Stonehenge bei Amesbury

Tolle Steine, faszinierende Anlage, aber für gute Fotos kommt man leider nicht nahe genug heran und hat auch immer Millionen von Touristen um sich herum. Mist, ich war ja auch nicht besser, aber egal. Das Stativ hatte ich dabei und so wartete ich einfach lange genug auf freie Schussbahn. (c) Karsten Rose

Schottisches Frühstück

Der Wirt vom Station Hotel in Worksop sah am nächsten Morgen etwas mürrisch aus, als er mir das Frühstück servierte ‒ um 06:30 Uhr in der Früh. Nachdem ich es ihm am Abend vorher gesagt hatte, gesellten sich noch mehr Gäste dazu, die um diese Zeit Frühstücken wollten, statt wie üblich erst um neun. Er hätte mich eben nicht fragen sollen. Aber das Frühstück war klasse, die berühmten Cerealien, Kaffee, Eier, Speck, Würstchen, Pilze und gebratenen Tomaten, die so herrlich spritzen, wenn man hineinsticht. Nur auf Black Pudding (eine Art Blutwurst) habe ich verzichtet. (c) Karsten Rose

Die Ruinen von Roche Abbey

Die Ruinen von Roche Abbey: Die Straße zur Abbey war dann auch noch in einem leicht, na ja, bedauernswerten Zustand und ich hörte Asphalt und Steine am Unterboden kratzen. Angekommen stellte sich heraus, dass ich mal wieder zu früh dran war. Kein Mensch war dort, das Tor zu, die Kasse nicht besetzt. Es sollte noch über zwei Stunden dauern, bis endlich jemand kam.
Ein kleiner, lustiger Gärtner, der am Wegesrand an irgendetwas herumgezupft hatte, kam zu mir und meinte, ich sollte einfach über den Zaun klettern. Zahlen könnte ich ja beim Hinausgehen, falls dann schon jemand da sei, aber er glaube nicht, dass heute jemand kommen würde. Ich sei seit Tagen sowieso der erste Besucher, die Straße fahre ja kein normaler Mensch freiwillig herunter. Hätte mir der Hinweis vielleicht zu denken geben sollen? (c) Karsten Rose

Schottland Friedhof

Von Roche Abbey ging es weiter Richtung Fountains Abbey. Ach ja, wenn man auf der Fahrt die Augen offen hält und ab und zu mal stehen bleibt, dann entdeckt man besonders auf Friedhöfen die seltsamsten Sachen, wie zum Beispiel krumm gewachsene Bäume und rosa Schweinchen im Heißluftballon, die über den Gräbern hängen. (c) Karsten Rose

In den alten Kellergewölben der Fountains Abbey spukt es bisweilen.

Fountains Abbey ist die größte Klosterruine in Großbritannien. Jeder Tourist und jeder Einheimische kann Henry Tudor, auch Heinrich VIII. genannt, nur dankbar sein. Ohne ihn gäbe es nicht so viele herrliche Klosterruinen, und die extra für Touristen zu bauen wäre wahrscheinlich zu teuer.
Zwischen den direkten Eindrücken der alten Ruinen und dem, was die Kamera festhält, liegt immer ein leichter Unterschied. Da ich aber das Land zeigen wollte, wie ich es empfinde, hatte ich kein Problem damit, mir alles via Bild- bearbeitung zurechtzubiegen. Das hat man zu analogen Zeiten schließlich auch gemacht. Unterschiedliche Brennweiten, Belichtungszeiten und Blenden und dann die Perspektive. (c) Karsten Rose

Schottland

Zuerst besuchte ich wieder ein Zisterzienser-Kloster. Melrose Abbey in der Nähe von Galashiels ist eine gigantische Klosterruine in der 1812 der Steinsarg des Zauberers, Alchemisten, Astrologen, Mediziners und Philosophen Michael Scotus gefunden wurde. Tja, und heute haben manche schon Schwierigkeiten wegen eines Doktortitels. (c) Karsten Rose

Das vermeintliche Grabmal Michael Scotus’

Ja, das mit dem Zauberer glaube ich in dieser Umgebung sofort. Immerhin gibt es pro Quadratmeile in Großbritannien angeblich mehr Gespenster als sonst irgendwo auf der Welt. Hab ich zumindest mal gelesen ‒ glauben will ich’s gern. In Melrose Abbey sollen verschiedene Geister spuken. Eine Gruppe von Mönchen wurde wohl schon gesichtet und natürlich auch Michael Scotus, der auch von sich behauptete fliegen zu können. Auch wurde hier das Herz von Robert Bruce, einem der bedeutendsten Könige Schottlands, unter dem Hochaltar begraben. Im Film „Braveheart“ wurde er sehr frei interpretiert. „Braveheart“, da war doch wer? Ja, ich! (c) Karsten Rose

Schottland

Der Morgen begann wie immer mit einem Frühstück. Diesmal war besonders viel auf dem Teller. Mehr Speck, größere Eier und die Würstchen schmeckten auch besser. Alles vom eigenen Hof, wie man mir sagte. Als ich mich verabschiedete war es draußen regnerisch, nebelig und kalt, das Verdeck blieb aus diesem Grund erst einmal zu. Der Bodennebel lichtete sich jedoch bald und es blieben nur noch einige Nebelfetzen übrig, die über der Landschaft hingen. Bald schon wurde es jedoch richtig schottisch. Auf dem Weg nach Braemar, wo die britische Königsfamilie immer Urlaub macht, wurde sowohl die Land- schaft als auch das Wetter immer rauer und die Straße immer schmaler. (c) Karsten Rose

Schottland

Was sollte ich tun, wenn mal nichts mehr ging? Wenn das Auto aufgab oder ich in einer Wasserkuhle feststeckte und da nicht mehr rauskäme? Handyempfang? In der schottischen Einöde? Da konnte man auch von sonst was träumen. Aber der Schotte an sich weiß sich ja zu helfen! Hübsch, so eine knallrote Telefonzelle zwischen Feldweg und Weide. (c) Karsten Rose

Loch Ness

Urquhart Castle wurde etwa 1230 erbaut und liegt direkt am Loch Ness. Vielleicht würde ich ja heute die wohl sagenumwobenste aller Wasser-Kryptiden vor die Linse bekommen, aber Nessie hat sich leider nicht erbarmt.Mit der Live-Aufnahme von Bob Marleys „Exodus“ im Ohr spazierte ich durch die Schlossruine und später am See entlang. Trotz der Musik bekam ich von meiner Umgebung noch eine Menge mit: Japaner, die den erhobenen Regenschirm des Reiseführers nicht mehr fanden und voller Panik durch die Mauerreste jagten, um ihre Gruppe zu finden, Kinder die fluchten und schrien, weil die Treppe im Burgturm so eng war. Mütter, die ihre Kinder anpflaumten, dass sie endlich still sein mögen, man sei ja schließlich im Urlaub. Ehemänner, die ihre Frauen zu beruhigen versuchten und daraufhin von ihren Frauen zu hören bekamen, dass sie ja auch mal auf die Kleinen aufpassen könnten. Nett, was sich manche Leute an den Kopf werfen.
Dazu Aufseher, die kletternde Touristen von den Mauerresten herunterzogen und mittendrin ein Schauspieler, der den heiligen St. Columba darstellte, welcher im Jahre 565 angeblich das Monster vertrieben hat. (c) Karsten Rose

Schottland

Auf zu den Highland Games nach Drumnadrochit, das kleine Örtchen ist nur wenige Minuten von Urquhart Castle entfernt. Die Highland Games sind sportliche Wettkämpfe, die früher die schottischen Clans bei ihren Treffen ausübten, um ihre stärksten und schnellsten Krieger zu küren. Dabei sind etwas merkwürdige Disziplinen entstanden, wie z. B. das Baumstammwerfen „Tossing the Caber“ oder auch das Steineschmeißen „Putting the Stone“. Auch Tauziehen, Radfahren und Wrestling gehören dazu. Nicht zu vergessen die Dudelsackwettbewerbe, wie der „Pipe Band Contest“ oder das „Solo Piping“ und dazu das „Highland Dancing“. (c) Karsten Rose

Schottland

Auf meine Frage, wo denn nun diese seltsame Brücke sei, lachten die Frauen am Tresen lauthals. Doch, die sei schon noch da, ich brauche nur aus der Türe raus, direkt rechts abbiegen, am Hang führe dann der Weg zum Aussichtspunkt entlang. Zehn Minuten Fußweg, normalerweise. Dann lachten sie wieder. Ach, sie werden schon sehen, antworteten sie, als ich nachfragte, wodurch ihre Hei- terkeit hervorgerufen wurde.
Eine Minute später wusste ich warum und mir verging das Grinsen. Der Weg zur Aussichtsplattform war ein kleiner, wilder und gemeiner Bach geworden. Ich sei schon richtig, sagte ein Mann neben mir, der eine Art Uniform trug. Ich wollte es mal glauben. Aber nun war ich schon mal hier und ein zehnminütiger Aufstieg bei strömendem Regen würde einen eingefleischten Wandersmann mit Regenausrüstung nicht schrecken.
Es dauerte doch etwas länger als geplant, aber ich kam heil oben an. Stativ aufgestellt, Panoramakopf drauf und Kamera in Position für ein hübsches HDR-Panorama gebracht. Die Brücke sah aus der Ferne wirklich toll aus, aber eigentlich ist es nur eine alte, bröckelnde Betonbrücke. Sie wurde 1897 erbaut und ist ein Eisenbahnviadukt. Nicht nur die Fahrten des Hogwarts-Express für die Harry Potter-Filme wurden hier gedreht, auch in „Das doppelte Lottchen“ und einigen anderen Filmen taucht dieses Bauwerk auf. (c) Karsten Rose

Schottland

Nach dem Einchecken wollte ich noch das restliche Tageslicht ausnutzen und schlenderte die kleine Hafenstraße rauf und runter. Auf diesem Weg fand ich auch gleich mein Abendessen. Ein verchromter Imbisswagen stand auf einer Hafenmole und offerierte sein kulinarisches Angebot aus typisch britischen Fish & Chips und anderen Köstlichkeiten aus dem Meer. Da es keine Sitzgelegenheiten gab, musste ein Stück erhöhte Hafenmauer als Tisch dienen. Man kann sagen was man will, in der frischen Luft am Meer schmecken Fish & Chips richtig gut. (c) Karsten Rose