Filme Digitalisieren mit dem Epson Perfection V850 Pro: Workflow und Software

Bild 10: Die wichtigsten Einstellungen in SilverFast, um ein lineares Tiff zu erzeugen, ohne jegliche Korrekturen für Schärfe, Farben oder Kontrast. Der volle Tonwertumfang der Aufnahme bleibt erhalten, um die erforderlichen Optimierungen nachgelagert in der Bildbearbeitung vorzunehmen.

Übersicht im Bildarchiv zu wahren, bleibt Lebensaufgabe eines engagierten Hobbyfotografen. Die besten Fotos versinken schnell in der Masse belichteter Filme und digitaler Daten, wenn sie nicht gleich zu Beginn ihrer Entstehung einem sinnvollen Archivierungssystem zugeführt werden, um jeder Zeit auffindbar zu bleiben.

Dazu möchte ich im zweiten Teil meiner Reihe über das Digitalisieren Deiner analogen Schätze berichten, Dir ein paar Tipps geben und vor allem erläutern, wie Du dazu einen Flachbettscanner mit Duchlichteinheit, den Epson Perfection V850 Pro zum Beispiel, bestens einsetzen kannst. Wir werden uns zudem die dafür zur Auswahl stehenden Scan-Programme auf Deinem PC oder Mac etwas genauer ansehen.

Der Leuchttisch ist unverzichtbar, in der analogen wie in der digitalen Bilderwelt

Der Leuchttisch hat noch lange nicht ausgedient. Nicht der klassisch analoge und schon garnicht der moderne digitale. Kommt ein belichteter Film frisch entwickelt aus dem Labor zurück, ist der erste Gang zum in meiner Arbeitsfläche fest eingebauten Leuchttisch, um mit der Lupe die Bildergebnisse zu analysieren und zu bewerten. Im nächsten Gang meines Workflows erfolgt die Digitalisierung der Filme mit dem Epson Perfection V850 Pro, dann wird der unverzichtbare Leuchttisch digital.

Bild 1: Idealerweise ist das Leuchtpult in Deine Arbeitsfläche fest eingebaut, leicht versenkt, um die Glasfläche mit einer Abdeckung schützen zu können. Klare Negativhüllen aus archivbeständigem Acetat und Harz bestehend, sind gegenüber Negativhüllen aus Pergamin im Vorteil: Man muss die Negative zum Betrachten nicht herausnehmen. Eine Lupe und ein großer Pustebalg gehören zur Grundausstattung.

Damit der Leuchttisch an Deinem Computer-Bildschirm digital sichtbar werden kann, empfehle ich, zunächst von dem kompletten Film kleine Index Dateien zu erzeugen und zwar auch von den Motiven bzw. Varianten eines Motivs, die für eine Veröffentlichung nicht erste Wahl sein werden. Ich schließe sogar den vermeintlichen Ausschuss (Fehlbelichtungen, verwackelte, unscharfe Bilder usw.) mit in den Index ein. Denn ich möchte einen Überblick über den kompletten Film haben. Genauso, wie aus dem Zeitalter ausschließlich analoger Fotografie der klassische Kontaktabzug überliefert ist. Als Auflösung stelle ich bei Kleinbild 300 dpi bei einer Größe von 10 x 15 cm in der Scan-Software ein; die kleinen Index-Dateien nehmen je nach Bildmodus schwarzweiß oder Farbe zwischen 1 und 4 MB als tiff-Dateien auf der Festplatte ein. Sie sind dennoch detailreich genug, um aus dieser Vorschau eine Qualitätsbeurteilung ableiten zu können.

Die Vorschaufunktion im Scan-Programm erfasst erst einmal die komplette Scan-Fläche Deines Flachbettscanners und liefert sozusagen einen virtuellen Leuchttisch. an diesem bestimmst Du für jedes Bild den exakten Ausschnitt, der gescannt werden soll. Ich empfehle, für Index-Scans stets das vollständige Bild mit einem leichten Rand zu erfassen. Ferner nimmst Du die Benennung Deiner Indexdateien vor, die in der Regel in allen Scan-Programmen teilautomatisiert unterstützt wird.

Bildkorrekturen im Scan-Programm oder nachgelagert in meiner Bildbearbeitung unterlasse ich bewusst. Ich möchte die Inbdexbilder so gut oder so fehlerhaft erkennen können, wie sie auch tatsächlich sind.

Bild 2: Je nach Anzahl der Filmstreifen, die in einem Filmhalter Platz finden (beim Epson Perfection V850 Pro sind es drei Streifen mit insgesamt max. 24 Kleinbild-Aufnahmen), muss man seinen Filmhalter zwei- bis dreimal befüllen, um einen kompletten Kleinbildfilm zu digitalisieren.

Den Überblick behalten: Ordner und Dateien systematisch benennen

Eine Nomenklatur für die Benennung der Indexdateien, wie auch später für die High End Scans sollte man sich sorgfältig überlegen und am besten die Syntax notieren. Ich führe hier gerne mein Schema beispielhaft an, dass sich am Aufnahme-Datum des ersten Bildes eines Films orientiert, gleichgültig, wie lange der Film weiterhin in der Kamera bis zu seiner vollständigen Belichtung verbleibt. Schau Dir auch die bewußt im Dateinamen eingefügten Leerzeichen zur besseren optischen Strukturierung an. Das aber unter Vorbehalt: Letztendlich solltest Du Dir Deine eigene Ordnung zurecht legen und dann auch konsequent durchziehen.

Bild 3: Die von mir gewählte Nomenklatur für die Benennung von Indexdateien und späteren High-End-Scans orientiert sich am Aufnahmedatum des ersten Bildes des Films. Diese Dialogbox ist beispielhaft aus Epson Scan 2, zur Vorbereitung eines Batch Scans mit automatischer Dateibenennung; andere Scan-Programme haben ähnliche Funktionen. (1) Kann z.B. die Kennung für die Kamera sein, wenn mehrere Kameras im Einsatz sind. (2) Aufnahmejahr (3) Aufnahmemonat (4) Aufnahmetag (5) Film-Zähler für diesen Tag, dreistellig – an diesem Tag, mit diesem Aufnahmedatum könnten theoretisch 999 Filme belichtet werden. (6) Automatischer Zähler für die Bild-Nummer – zählt beim Batch Scan automatisch entsprechend der vorgegebenen Ziffernzahl (8) und der Startzahl (9) hoch. (7) Vollständiger Name des Filmcontainers – Ordner, in dem alle Bilddateien dieses Films liegen.

Bei der Ablage der Bilddaten ist eine überschaubare, durchgehende Ordner- und Datei-Struktur hilfreich, um den Überblick in Deinem stetig wachsenden Archiv zu wahren. Hier ist, aus der analogen Bildwelt kommend, viel Handarbeit angesagt.

Für die Ordner-Struktur empfehle ich einen Hauptordner mit den Unterordnern der Indexdateien anzulegen, den bei mir sogenannten Filmcontainern. Und einen weiteren Hauptordner für die High-End-Scans, ebenfalls mit Filmcontainern als Unterordner. Diese Container enthalten natürlich nur eine kleine Auswahl der besten Ergebnisse, dafür aber mit üppigen Datenvolumen; je nach gewählter Scan-Auflösung. Nochmals zur Erinnerung: Bei Schwarzweiß scanne stets mit 16 Bit Graustufen, bei Farbe 48 Bit RGB, um ausreichende Reserven für das Finetuning Deiner Bilder bei der Bildbearbeitung zu haben (siehe Teil 1).

Bild 4: Ordnerstruktur des Index-Archivs; das Archiv für die High-End-Scans ist analog dazu aufgebaut. Leerzeichen bei den Namen der Filmcontainer und den Dateinamen dienen einer besseren optischen Strukturierung.

Ich rate sehr davon ab, Dateinamen zu verwenden, die in einem Zusammenhang mit den Bildinhalten stehen – das endet sehr schnell im Nirwana. Bildinhalte werden über die Metadaten der Bilddateien adressiert.

Der Leuchttisch wird digital

Und wo ist jetzt der digitale Leuchttisch? Dazu hast Du jede Menge Auswahlmöglichkeiten an innovativen Bildverwaltungen, kostenpflichtige, wie kostenlose. Die Standard Datei-und Bilddarstellungen der Betriebssysteme reichen auf die Dauer für eine ordentliche Organisation eines großen, wachsenden Bildarchivs nicht aus. Ich rate Dir, die eine oder andere Bildverwaltung ausgiebig zu testen, bevor Du Dich entscheidest. Dies insbesondere im Hinblick auf das Auffinden von Bildern in Deinem großen Archiv. Dazu dient die sinnvolle Vergabe von individuellen Metadaten, wie Motivbeschreibung, abgebildete Personen, Hinweise zur Aufnahmequalität, ggf. verwendetes Filmmaterial. Weitere Metadaten können sein Aufnahmeort, Aufnahmeobjektiv, Blende, Belichtungszeit, div. Kameradaten usw., die Dir von einer Digitalkamera in der Regel frei Haus mitgeliefert werden, Du aber bei Deinen digitalisieren analogen Bildern händisch nachtragen müsstest.

Ich zeige Dir zwei Bildverwaltungeen, die ich auf meinen Macs verwende:

xnViewMP ist open source, solange Du es für Deine privaten Zwecke nutzt, Firmen müssen eine kostenpflichtige Lizenz erwerben. Das Programm gibt es für Windows, macOS und Linux. Es glänzt mit einer ausgeklügelten Funktion zum Anlegen und Verwalten von Metadaten. Eine intensive Einarbeitung tut Not, unterstützt wirst Du dabei von einem umfassenden Wiki in englischer Sprache.

Bild 5: xnViewMP ist open source, ein durchaus mächtiges Tool mit zahlreichen Optionen. Seine Stärke liegt in der ausgeklügelten Verwaltung von Metadaten, die Du individuell für Deine Bedürfnisse für jedes Bild anlegen kannst. Eine umfassende Einarbeitung ist notwendig.

Fotos von Apple ist auf jeden Mac vorinstalliert und lässt sich mit Deinem iPhone oder Deinem iPad synchronisieren; das ist seine eigentliche Stärke. Bei Deiner großen Bilddatenbank ist aber die vollständige Synchronisation aller Daten mit Deinen mobilen Devices nicht ratsam – allenfalls beschränkst Du Dich auf eine exklusive Auswahl Deiner gescannten Schätze, mit geringen Dateigrößen. Fotos ist für andere Betriebssysteme nicht verfügbar. Die Einarbeitungszeit ist kurz, die Benutzeroberfläche ist Apple-like intuitiv.

Bild 6: Apples Foto ist dank intuitiver Oberfläche ohne lange Einarbeitung in den Griff zu bekommen. Seine Stärke liegt in der Synchronisation via iCloud, ein Feature dass für unseren Anwendungsfall weniger gefragt sein dürfte.

Die Programme sind meist mit Editoren rudimentärer Bildbearbeitungsfunktionen ausgestattet, mit denen Du Deine Bilder direkt in der Bildverwaltung bearbeiten kannst. Ich rate zumindest bei Deinen gescannten Schätzen davon ab, diese zu benutzen, das kann Deine Bildbearbeitung weit aus besser.

Drei Scan-Programme für Epsons Profi-Scanner

Den Epson Perfection V850 Pro haben wir uns ja im Teil 1 bereits genauer angesehen. Interessanter Weise sind drei verschiedene aber durchaus professionelle Scan-Programme für den Perfection verfügbar; die Auswahl fällt, die Ergebnisqualität betrachtend, eher schwer.

In der Regel packt jeder Scanner-Hersteller seine hauseigene Software der Hardware bei. Das schont das Budget, die Leistungen können sich dennoch sehen lassen. So auch beim Epson Perfection V850 Pro; Epson Scan 2 gehört zum Lieferumfang. Darüber hinaus sind häufig zusätzlich kommerzielle Scan-Programme verfügbar; hier sind es zwei Kandidaten: VueScan von Hamrick Software und SilverFast von LaserSoft Imaging. Beide Programme lassen sich als Demo-Versionen ausgiebig testen, bevor man sich zum Kauf entscheidet.

Epson Scan 2: Solides Werkzeug zum Nulltarif

Über die vielen Vorteile und ein paar Kleinigkeiten, die man an dem Programm verbessern könnte, haben wir in Teil 1 bereits ausführlich gesprochen. Die Benutzeroberfläche wirkt im Vergleich zu den anderen Kandidaten etwas altbacken und lässt einige Funktionen auf den ersten Blick vermissen. Wenn man sich allerdings dazu entschließt, das Scan-Programm wirklich nur zum Scannen seiner Bilder, ohne zusätzliche Filter und Bildbearbeitungs-Funktionen zu nutzen, ist Epson Scan 2 das Programm, mit dem man sich am schnellsten einarbeitet.

Neben der einzustellenden Scan-Auflösung gibt es in einer Dropdown-Liste die Wahl zwischen Scanqualität Hoch und Standard; ein Sinn erschließt sich mir nicht. Stapelverarbeitung, also das teilautomatisierte Digitalisieren mehrerer Motive aus einer Vorschau ist möglich, die automatische Rahmenerkennung arbeitet zuverlässig.

Beim Erwerb eines Scanners aus dem Epson-Portfolio, ob neu oder gebraucht oder gar ein etwas älteres Modell, kannst Du die für Windows und macOS verfügbare aktuellste Epson Scan 2 Version kostenlos von der Homepage des Herstellers herunterladen. Kompatibilitätsprobleme kann es nach meinen Erfahrungen mit älteren Scanner Modellen geben, wie dem Epson Perfection 4490 Photo, der sich mit Epson Scan 2 von meinem neuen Mac mini M1 nicht mehr ansprechen lies.

Bild 7: Im Reiter Haupteinstellungen von Epson Scan 2 verbergen sich die wichtigsten Parameter, mit denen bereits anspruchsvolle Ergebnisse erzielbar sind. Onlinehilfe und Begleitdokumentation könnten besser aufeinander abgestimmt sein, dafür ist die Einarbeitung dank der intuitiven Benutzeroberfläche unkompliziert.

VueScan 9 Professional Edition: Eine lebenslange Software-Lizenz für nahezu alle Scanner dieser Welt

So kann man VueScan durchaus beschreiben; laut Hersteller sind es immerhin 6500 Flachbett-, Dokument- und Film- bzw. Diascanner, die unterstützt werden. Mit einer einmal erworbenen Lizenz für Windows, macOS oder Linux lassen sich viele Scanner betreiben, die Treiberanpassungen an die jeweilige Hardware übernimmt VueScan automatisch, sobald das Programm nach seinem Start den Scanner gefunden hat. Mit dem Erwerb eines neuen Scanners, ob Flachbett- oder Filmscanner, muss somit kein Upgrade gekauft werden. Du kannst mit Deiner vorhandenen Lizenz in einer Dir vertrauten Umgebung sofort weiter arbeiten, aufwendiges Einarbeiten entfällt. Derzeit wird man ca. alle zwei Wochen mit einem kostenlosen Update versorgt. Der Support ist exzellent: Bei Problemen oder Fragen antworten Ed oder David Hamrick sehr zeitnahe und persönlich.

VueScan wäre somit, nicht zuletzt auch aufgrund seiner guten Scan-Ergebnisse, die erste Wahl, wenn

  • Du mehrere Scanner betreibst, dazu kann auch ein Multifunktionsdrucker mit Scan-Einheit für Dokumente im Netzwerk zählen;
  • Du einen Scanner erworben hast, dem kein Programm beiliegt, z.B. auf dem Gebrauchtmarkt;
  • die hauseigene Scan-Software veraltet ist und auf Deinem Computer nicht mehr unterstützt wird;
  • Du Dein Budget schonen möchtest und dennoch perfekte Scan-Ergebnisse erwartest.

Ich habe noch bis vor kurzem einen uralten AGFA ARCUS II SCSI Scanner mit VueScan auf einem PowerMac G4 betrieben.

Die Bedienoberfläche kann zwischen den Modi Grundlegende, Standard und Professionelle umgeschaltet werden, ich rate zur Einstellung Professionelle. Sie arbeitet überwiegend mit Dropdown-Listen und wirkt insgesamt durchaus aufgeräumt und modern, sie lässt viel Platz für die Vorschau. Gleichwohl sind einige Funktionen erklärungsbedürftig. Bei kniffeligen Detailfragen durchsucht man anfangs oft vergeblich das zwar ausführliche PDF-Handbuch in englischer Sprache, sowie Tutorials und Foren im Internet nach Antworten; am Ende erschließt sich so manches erst durch ausgiebige Tests.

Stapelverarbeitung, ist möglich, aber nicht sehr komfortabel gelöst.

Bild 8: VueScan 9 Professional Edition mit seiner moderneren aber durchaus teils erklärungsbedürftigen Benutzeroberfläche ist quasi das Schweitzer Taschenmesser: Eine preiswerte Scan-Software, die sogar dann noch zum Einsatz kommen kann, wenn Scanner- und Computer-Hersteller bei älterem Equipment keine Kompatibilität mehr mit ihrem System sicherstellen können.

SilverFast: Der Platzhirsch bei den Profi-Scannern

Da Epson mit dem Perfection V850 Pro, bzw. mit einem Teil seines Scanner-Flotte den Profimarkt anpeilt, ging das Unternehmen eine Partnerschaft mit LaserSoft Imaging in Kiel ein, die nun schon mehr als 30 Jahre erfolgreich währt. Heraus kam das in Profikreisen bevorzugte und sehr verbreitete SilverFast, welches in seiner Basisversion SilverFast SE Plus 8 dem Perfection V850 Pro bei liegt; das Update auf auf SE Plus 9 ist kostenlos. Der Anschaffungspreis von SilverFast ist mit mehreren hundert Euro vergleichsweise hoch, was sich durch das Bundle auf den ersten Blick etwas relativiert.

Zwar ist die Software für zahlreiche Flachbett- und Filmscanner am Markt verfügbar. Im Gegensatz zu VueScan fallen aber für jede Lizenz Kosten an. Selbst dann, wenn man bereits eine Lizenz für seinen Scanner erworben hat und eine neue Version heraus kommt, wird man zur Kasse gebeten.

Enttäuscht hat mich die Feststellung, das SilverFast SE Plus 9 als Basisversion im Gegensatz zu seinen beiden Mitbewerbern 16 Bit Graustufen- und 48 Bit RGB-Scan nicht unterstützt, bzw. sich LaserSoft Imaging diese für eine professionelle Bilddigitalisierung elementaren Feature auch noch extra bezahlen lässt. Erst ein kostenpflichtiges Upgrade mindestens auf die Version Ai Studio ist erforderlich; Epson Scan 2 und VueScan lassen grüßen.

Punkten kann SilverFast mit seinem ausgeklügelten Workflow, so man diesen auch wirklich nutzen möchte. Insbesondere Vorbereitung und Durchführung von Batch-Scanning (Stapelverarbeitung) funktioniert einschließlich der automatischen Rahmenerkennung vorbildlich. Bei der Erstellung von Index-Scans kompletter Filme ist dies ausserordentlich hilfreich und Zeit sparend. Der JobManager unterstützt die Stapelverarbeitung, indem mehrere Scan-Rahmen automatisch nacheinander eingescannt werden können. Ebenso Staub- und Kratzerentfernung via Infrarot-Kanal arbeiten mit hoher Treffsicherheit. Leider geht man lange Irrwege, bevor man den Unterschied zwischen iSRD und SRDx herausgefunden hat, da dies nicht ordentlich dokumentiert wurde. Die Bedeutung von SRDx erschließt sich mir nicht wirklich.

Ich stehe der Funktion allerdings eher misstrauisch gegenüber und nutze sie nur in aussichtslosen Fällen. Denn insgesamt verändert ein übermäßiges Strapazieren von Staub- und Kratzerentfernung meine Bilder ungewollt; sie erscheinen danach etwas weicher. Eher gebe ich mir Mühe, meine Vorlagen sorgsam zu behandeln und Staub fern zu halten. Kleine Fehler korrigiere ich lieber durch sorgfältiges Ausflecken mittels eines Grafiktabletts in meiner Bildbearbeitung, bei 100 oder 200 % Bildvergrößerung und behalte somit die volle Kontrolle über meine Bilder.

Die Benutzerführung von SilverFast verwirrt anfangs, durch zahlreiche bunte Icons und nicht schlüssige Abkürzungen in der Benutzerführung. Das Programm ist nach meinem Empfinden völlig überladen mit Funktionen. LaserSoft Imaging folgt dem Ansatz, neben dem Scannen den kompletten Workflow bis zum finalen Bild in sein Programm zu packen. Möchtest Du große Mengen an Bildern in möglichst kurzer Zeit digitalisieren, hat es durchaus seine Berechtigung, SilverFast zur Bildoptimierung auszureizen. Der WorkFlowPilot ist wenigsten eine kleine Hilfe, durch das Oberfächer-Chaos durchzusteigen.

LaserSoft hält umfangreiche Dokumentation auf seiner Website bereit, die einesteils gut gemacht ist aber bisweilen nicht alle Fragen beantwortet, manche in der Software vorhandene Funktionen ignoriert und teils sogar veraltet ist. Klickt man in einer Dialogbox auf das Hilfe versprechende Fragezeichen, in Erwartung einer üblichen Software-Onlinehilfe, gelangt man auf die Titelseite des Handbuches, anstatt zur Erläuterung der Funktion des Dialoges.

Verblüfft hat mich bei der macOS-Version ein arger Fehler der Version 8, der in Version 9 nicht behoben wurde: SilverFast findet manchmal den angegebenen Speicherort für die Scans nicht und speichert die Ergebnisse irgendwo auf der Festplatte; am Ende sucht man seine Dateien im Nirwana des eigenen Computer-Dateisystems. 

Mit telefonischen Anfragen bei LaserSoft Imaging ist kein Durchkommen, man bleibt ewig in einer Schleife automatischer Ansagen hängen.

Bild 9: Die opulente Oberfläche von SilverFast verwirrt anfangs. Reduziert man die Software auf das was sie ja im Grunde in erster Linie tun soll, nämlich auf das Scannen und überlässt die Bildoptimierung seiner Bildbearbeitung, hat man sie schnell im Griff. Die automatische Rahmenerkennung arbeitet perfekt, die Stapel-Scan-Funktion ist eine große Hilfe beim Erstellen von Index-Scans von einem kompletten Film und wird durch den cleveren JobManager unterstützt.

Hat man sich einmal komplett durch alle Funktionen von SilverFast durchgearbeitet und alles verstanden, kann man damit ohne Zweifel gute Bilder produzieren. Geht es jedoch um das wirklich feine, sauber ausgearbeitete Bild, halte ich nichts davon, SilverFast oder irgend ein Scan-Programm für die Bildbearbeitung einzusetzen. Es ist eine grundsätzliche Überlegung wert, ob Du tatsächlich das perfekte Endprodukt Deiner Scan-Software mit ihren doch vergleichsweise rudimentären Werkzeugen zur Bildbearbeitung anvertrauen willst, oder ob es nicht gute Gründe gibt, den Weg zum finalen Bild über den des Postprozesses einzuschlagen, also Scannen und Bildbearbeitung zeitlich wie räumlich voneinander zu entkoppeln.

Scannen und Bildbearbeitung entkoppeln

SilverFast bietet dazu das Dateiformat HDRiRAW an. RAW ist ein Dateiformat, dass Du in ähnlicher Form vermutlich von Deiner Digitalkamera kennst, in dem Bilder ohne irgendeine technische Bearbeitung oder Optimierung gespeichert werden. Es sind Rohdaten, die erst entwickelt werden müssen, was Du zeitversetzt mit einem RAW-Konverter vornehmen kannst; die Daten beanspruchen allerdings erheblich mehr Festplattenspeicher, als jpg-Dateien. Zur Weiterverarbeitung von SilverFast HDRiRAW-Daten bedarf es wiederum einer speziellen und kostenpflichtigen Lizenz, nämlich SilverFast HDR Studio.

VueScan bietet ebenfalls ein eigens RAW-Format an. RAW-Daten aus VueScan lassen sich auch in VueScan nachgelagert entwickeln, man benötigt keine eigene Software.

Wichtig ist, dass es sich weder bei SilverFast noch bei VueScan um RAW-Daten im Sinne einer Digitalkamera handelt, sondern hier um programmspezifische Formate; mit den verbreiteten RAW-Konvertern können diese nicht entwickelt werden. Mir sind selbst nach Überführen der RAW-Dateien in das standardisierte DNG-Format mit verschiedenen Bildbearbeitungsprogrammen keine überzeugenden Ausarbeitungen meiner Bilder gelungen.

Du kannst aber auch mit Bordmitteln zu guten Rohdaten gelangen, mit jedem Scan-Programm. In Teil 1 hatten wir uns das ja bereits mit Epson Scan 2 angesehen. Hier zeige ich Dir, wie ich in SilverFast vorgehe. Dabei sollte die AI Studio-Version nach Möglichkeit vorhanden sein, um in 16 Bit Graustufen bzw. 48 Bit RGB scannen zu können.

Bild 10: Die wichtigsten Einstellungen in SilverFast, um ein lineares Tiff zu erzeugen, ohne jegliche Korrekturen für Schärfe, Farben oder Kontrast. Der volle Tonwertumfang der Aufnahme bleibt erhalten, um die erforderlichen Optimierungen nachgelagert in der Bildbearbeitung vorzunehmen.

Entscheidend ist, dass Du mit der folgenden Anweisung jedes Bild einzeln und mit zunächst vollem Tonwertumfang, aber ohne Bildkorrekturen (Farbe, Schärfe usw.) scannst und als tiff-Datei speicherst:

  1. Stelle unter Einstellungen / Allgemein die Gamma-Gradation auf 1 bei Negativfilmen, was die Mitteltöne etwas mehr anhebt. Bei Dias bekommt man gute Ergebnisse mit einem Wert zwischen 2,2 und 2,5.
  2. Ziehe einen Rahmen um das Vorschau-Bild; äussere Bildbereiche sollten nicht innerhalb des Rahmens liegen.
  3. Achte darauf, dass alle Filter zur Bildoptimierung ausgeschaltet sind, insbesondere Auto, Unschärfe-Maskierung und Farbkorrektur.
  4. Wähle 48 Bit für eine Farbvorlage oder 16 Bit für eine Schwarzweißvorlage.
  5. Blende die beiden Werkzeuge Histogramm und Gradation ein.
  6. Die Schatten- und Lichter-Regler für die Farben Rot, Grün, Blau sollten etwas über die Histogramm-Kurven hinausgehen, diese auf keinen Fall anschneiden, um den vollen Tonwertumfang des Bildes zu erfassen; Einstellungen ggf. korrigieren.
  7. Die Gradationskurve sollte linear verlaufen, also keine Kurvenform aufweisen; Einstellung ggf. korrigieren.
  8. Stelle die maximal mögliche Auflösung ein, beim Epson Perfection V850 Pro sind das 6400 dpi.
  9. Falls ein schwarzer oder weißer Rahmen bei den Bildern gewünscht wird, kannst Du den Rahmen nach den erfolgten Einstellungen wieder etwas über den Bildrand hinaus ziehen.
  10. Scanne das Bild mit diesen Einstellungen, speichere es als tiff-Datei.
  11. Fahre mit dem Postprozess in Deiner Bildbearbeitung fort.

Das Ergebnis des Scans mit vollem Tonwertumfang wird Dich auf Anhieb vielleicht nicht begeistern, weil es nicht farbkorrigiert ist, ihm das letzte Quäntchen an Schärfe fehlt und es insgesamt etwas flau rüber kommt. Hier setzt nun Deine Bildbearbeitungs-Software ein, um das Rohbild zu optimieren – ich arbeite mit Affinity Photo. Dabei empfehle ich, die Korrekturen stets in einer Kopie Deines Rohlings anzufertigen, um die Optimierungsschritte bei Bedarf jeder Zeit wiederholen zu können, z.B. für unterschiedliche Bildauflösungen und -größen.

Bild 11: Links der Rohling, wie er in SilverFast ohne jedwede Bildkorrekturen erstellt wurde und die Grundlage für die feine Ausarbeitung in einer Bildbearbeitung darstellt; das Ergebnis zeigt der Ausschnitt unten rechts. Oben rechts eine Bildoptimierung aus SilverFast mit jeweils automatischer Tonwert- und Farbkorrektur und Unschärfe-Maskierung mit automatischer Bildschärfung.

Die vergleichenden Abbildungen oben verdeutlichen sehr schön, wie sich der Rohling aus dem Scan-Programm (links) weitaus feiner in einer Bildbearbeitung ausarbeiten lässt (rechts unten). Der Versuch, die finale Ausarbeitung im Scan-Programm hin zu bekommen, endet mit einigen Unzulänglichkeiten (rechts oben): Die automatische Schärfung überzieht das Bild mit einem sehr unschönes Korn, was in den hellen Wasserstrukturen besonders unangenehm auffällt. SilverFast liefert von den drei Scan-Programmen die höchste Standardschärfung, kann aber damit auch am meisten an einem tonwortreichen Bild kaputt machen. Unkorrigierte Ergebnisse aus SilverFast kann ich sehr viel kontrollierter in Affinity Photo oder in jeder anderen Blidbearbeitungssoftware schärfen (ich verwende dazu den Hochpassfilter) sowie Farbe und Kontrast sehr fein regulieren.

Epson Scan 2 produziert ebenfalls ein Korn bei Nutzung der Unschärfe-Maske, aber weitaus dezenter. VueScan kommt mit dem Schärfen am besten klar, homogene Flächen kommen angenehm rüber. Dafür ist der Grad möglicher Schärfung vergleichsweise gering. Aber auch bei diesen beiden Kandidaten rate ich davon ab, die Unschärfe-Maske oder irgend einen anderen Filter anzufassen.

Die hellsten Bildstellen (Lichter) an den Eiskristallen reißen beim in SilverFast korrigierten Scan völlig aus, die dunkelsten Bildstellen (Schatten) an der rechten Seite des Felsens saufen ab.

Die tatsächliche Farbgebung des Felsens ist stark verfälscht. ln meiner finalen Ausarbeitung habe ich allerdings aus persönlichem Geschmack einen leicht kühleren Ton gewählt, verglichen mit den etwas wärmeren Farben des Dias.

VueScan ist mein Favorit

Ein Scan-Programm benutze ich ausschließlich zum Scannen; mit einem Bildbearbeitungs-Programm führe ich den davon entkoppelten Postprozess der Bildoptimierung durch. Somit reduziert sich meine vergleichende Betrachtung der drei Scan-Programme für den Epson Perfection V850 Pro auf die reine Scan-Funktion, da ich alle anderen Stellschrauben für die Bildoptimierung grundsätzlich nicht anfasse.

Epson Scan 2 schneidet trotz seiner veralteten und etwas klobig wirkenden Benutzerführung gut ab, denn man erzielt damit nach nur kurzer Einarbeitung perfekte Ergebnisse. Und das Programm ist kostenlos. 

VueScan ist der Allrounder mit der komfortableren Oberfläche und das zu einem sehr moderaten Preis. Für mich ist das Programm die erste Wahl und meine bevorzugte Anwendung. Ich betreibe damit den Epson Perfection V850 Pro ebenso, wie einen Nikon-Scanner aus der Coolscan-Familie. Selbst für die Scan-Funktion meines Epson WorkForce Multifunktionsdruckers setze ich VueScan für Dokumente gerne ein.

SilverFast wäre in meinen Augen die erste Adresse für den Anspruch an einen hohen Durchsatz beim Digitalisieren ganzer Bildarchive. In diesem Anwendungsfall sollen in kurzer Zeit solide, gut auskorrigierte Ergebnisse zu erzielbar sein, ohne das eine aufwendige Nachbearbeitung erfolgen muss. Bildbearbeitungsfunktionen im Scan-Programm sind in diesem Fall durchaus segensreich. Für das Erstellen von Index-Scans ganzer Filme ist das Programm perfekt. Mit der sehr präzise arbeitenden Rahmenerkennung und dem die Stapelverarbeitung unterstützenden JobManager ist SilverFast unschlagbar, da können die beiden anderen Scan-Programme nicht mithalten.

SilverFast ist jedoch gemessen an den von mir benötigten Funktionen zu opulent, zu unübersichtlich und zu teuer. Zumal die dem Epson-Scanner beiliegende Version erst einmal per kostenpflichtiges Upgrade auf den Leistungsstand der beiden anderen Kandidaten, hinsichtlich 16 Bit Graustufe / 48 Bit RGB, gehievt werden muss. Fehler, wie Probleme beim Auffinden von Dateipfaden, die von Version zu Version mitgeschleppt und nicht gefixt werden (s.o.) und eine nicht erreichbare Hotline sind bei der Preispolitik von LaserSoft Imaging unverzeihlich.

Wer einen Epson Scanner aus der Perfection-Familie erwirbt, dem SilverFast leider nur in einer abgespeckten Version beiliegt, sollte sich gut überlegen, ob er anstatt für ein teures Upgrade nicht lieber eine lebenslang gültige und Hardware übergreifende Lizenz von VueScan erwerben will. Strebst Du das Erfassen hochwertiger Rohdaten aus Deinen analogen Vorlagen an, bist Du mit VueScan gut unterwegs. Hermann Groeneveld

Kategorie Fotografie, Neuigkeiten, Praxis, Ratgeber

Verheiratet, zwei erwachsene Kinder, eine Enkeltochter • Geboren 1956 in Ostfriesland • Aufgewachsen auf einem landwirtschaftlichen Betrieb • Photographie seit 1968, anfangs mit der Agfa Synchro Box • Schulzeit bis 1973 • Arbeit auf einem Bauernhof 1973 / 1974 • Übersiedlung von Ostfriesland nach München • Technische Ausbildung 1974 – 1977 in München • Seit 1977 Arbeit für verschiedene Firmen im technischen Bereich • Dozent für praktische Photographie an der Volkshochschule von 1981 bis 1983; Schwerpunkt: Landschaftsphotographie • Familiengründung und Übersiedlung in die Gemeinde Sauerlach 1983 • Seit 1991 als Technischer Redakteur tätig • Arbeit als Redakteur und Korrespondent für verschiedene Photozeitschriften und Artwork Magazine (1982 – 2004) • Veröffentlichung verschiedener Photobücher und Kalender über Natur und Landschaft, sowie die Basler Fasnacht • Bevorzugte analoge Kamerasysteme: Leica M und Rolleiflex / Rolleicord TLR • Digitale Photographie: Nur wenn es unbedingt sein muss (Fuji X-T) • Weitere Hobbys und Interessen: Kontrabass spielen, Raumfahrt, interplanetare Forschung • Lieblingsgericht: Was meine Frau gerade kocht