Epson Perfection 850 Pro im Praxistest

Mit dem neuen Epson Perfection 850 Pro (links) kam ein wahrer Bolide in meiner Kreativwerkstatt für Technische Dokumentation und Fotografie an. Der Platzbedarf ist schon erheblich höher als für den Epson Perfection 4490 Photo; umräumen und Platz schaffen war angesagt. ©Hermann Groeneveld

Scannen mit High-End-Anspruch zu überschaubaren Kosten verspricht der Epson Perfection 850 Pro. Ein Praxistest.

Analoge Filme in hoher Qualität einscannen ist eine Herausforderung für die Fotografen, die noch auf Film statt einem digitalen Bildsensor belichten. Ein Scanner stellt in Deinem Foto-Workflow die Brücke zwischen der analogen und der digitalen Bilderwelt dar. Bedeutend ist das vor allem, wenn Du aus Überzeugung häufig analog fotografierst. Dann benötigst Du mehr, als eine vorübergehende Lösung zur Digitalisierung älterer fotografischer Schätze, zu der es auch ein Leihgerät oder gar die Inanspruchnahme einer entsprechenden Dienstleistung täte: Du suchst ein funktionierendes Arbeitskonzept, welches in Handhabung und Leistung zu Dir passt und dessen Kosten überschaubar bleiben.

Hardware und Software Wir schauen uns in dieser ersten Folge die Ausstattung des Scanner an und machen erste Scans mit der Epson eigenen Scan-Software.

Geplant: Alternative Software Es gibt verschiedene Applikationen, mit denen sich der Perfection 850 Pro betreiben lässt. Wir vergleichen die Handhabung und die Ergebnisse.

Geplant: Spezialanwendungen, Literatur Es gibt Tools mit deren Hilfe man die Scanqualität nahe an die eines hochpreisigen Trommelscanners heranbringen kann. Außerdem gebe ich Dir ein paar Literaturempfehlungen.

Epson als Messlatte für das Mittelformat

In meiner Kreativ-Werkstatt für Technische Dokumentation und Fotografie werkelt schon seit vielen Jahren ein Epson Perfection 4490 Photo, an einem ebenfalls schon in die Jahre gekommenen iMac (27 Zoll, Ende 2012). Das angestrebte Optimum an Qualität schien erreicht, also galt lange Zeit: Never change a running system.

Die Pandemie mit monatelangem ausschließlichen HomeOffice und vermehrter Auslastung des eigenen Computer-Equipments verlangte jedoch nach ein paar technologischen Innovationen: Als Hauptrechner tut nunmehr ein Apple Mac mini (M1, 2020) (Angebot auf Amazon) an einem hochwertigen Monitor, dem EIZO ColorEdge CS2740 (Angebot auf Amazon) Dienst, Software-Upgrades wurden erforderlich und das leistungsfähige NAS Synology DiskStation DS220+ (Angebote auf Amazon zwischen 2 TB und 24 TB) mit zur Sicherung meiner Bilddaten. Und schließlich sollte auch der Workflow für das Scannen von Filmen dem aktuellem Qualitätsniveau angepasst werden.

Die Krone einer Eiche, aufgenommen mit der Rolleiflex 2,8 FX auf Ilford Delta 100 und mit dem Epson Perfection 850 Pro gescannt. Die Qualitätssteigerung in den beiden vergleichenden Ausschnitten ist deutlich wahrnehmbar. Beide Scans wurden weder in der Scan-Software noch in der Bildbearbeitung nachgeschärft. ©Hermann Groeneveld

Ein Ausschnitt aus einem Scan mit dem Perfection 4490 Photo. ©Hermann Groeneveld

Ein Aisschnitt eines Scans mit dem Perfection 850 Pro. ©Hermann Groeneveld

Also musste ein neuer Scanner her, vorwiegend zum Digitalisieren meiner Mittelformat-Filme. Da ich aus guten Gründen bei Epson bleiben wollte, stieß ich auf das verlockendes Angebot eines Epson Perfection 850 Pro (Angebot auf Amazon), mit reichhaltiger Ausstattung an Filmhaltevorrichtungen und Software, für deutlich unter 800 Euro, der einst weit über 1000 Euro kostete. Im Bereich DIN A4-Flachbettscanner bei Epson das Flaggschiff. Und für mich der Mittelweg zwischen unbezahlbarem High-End-Equipment und Einsteiger-Level. Kleiner Tipp: Es gibt noch den etwas einfacher ausgestatteten und noch preiswerteren aber von den Leistungsdaten nahezu identischen Perfection V600 Photo (Angebot auf Amazon) im Programm von Epson.

Mit dem neuen Epson Perfection 850 Pro (links) kam ein wahrer Bolide in meiner Kreativwerkstatt für Technische Dokumentation und Fotografie an. Der Platzbedarf ist schon erheblich höher als für den Epson Perfection 4490 Photo; umräumen und Platz schaffen war angesagt. ©Hermann Groeneveld

Überrascht hat mich, trotz zuvor studierter technischer Daten des Gerätes, die Größe und der damit verbundene Platzbedarf des Epson Perfection 850 Pro gegenüber seinem Vorgänger. Ich musste erst einmal Platz schaffen für den Neuen. Ich lege großen Wert darauf, dass der Scanner gut zugänglich und im Stehen bedienbar ist. Also richtete ich mir auf meinem Arbeitstisch in der freigeräumten Ecke mit Ikea-Kisten ein erhöhtes Stehpult ein.

Zuletzt aktualisiert am 27. November 2021 um 12:40 . Zwischenzeitlich können sich die hier angezeigte Preise geändert haben. Alle Angaben ohne Gewähr.

Keine Neuheit am Markt, aber immer noch Oberklasse

Der Epson Perfection 850 Pro Flachbettscanner mit Durchlichteinheit für Aufsichts- und Durchsichts-Vorlagen ist bereits seit sieben Jahren unverändert auf dem Markt. Wir werden uns mit dem Scannen von Farb- und Schwarzweißnegativ-Filmen und Farbdias befassen, und zwar vorrangig für das Mittelformat.

Der solide gebaute Epson-Scanner gehört meines Erachtens zu den im Preis-/Leistungsverhältnis attraktivsten Highend-Scannern, auf die selbst Profifotografen schwören, wenn es darum geht, Filmformate ab dem Mittelformat druckvorstufen- und ausstellungstauglich zu scannen. In mehreren Folgen möchte ich Dir dieses Gerät und seine vielfältigen Einsatzmöglichkeiten näherbringen. Wir schauen uns in dieser ersten Folge die Ausstattung des Scanners an und machen erste Scans mit der Epson eigenen Scan-Software.

Die Filmhalterungen des Epson Perfection 850 Pro

Der Epson Perfection 850 Pro wird mit vier verschiedenen Filmhalterungen ausgeliefert:
• Kleinbild mit drei Slots für drei Filmstreifen (18 Bilder);
• Kleinbild Diahalter für 12 gerahmte Dias;
• Mittelformat mit einem Slot für einen Filmstreifen (3 Bilder bei Filmformat 6×6 cm);
• Großformat für max. 6,5 x 12 cm Filmgröße.

Der Kleinbild-Diahalter für max. zwölf gerahmte Dias ©Hermann Groeneveld

Der Kleinbild- Filmhalter für max. drei Filmstreifen mit je bis zu sechs Aufnahmen. Um einen Kleinbildfilm komplett zu scannen, muss ein weiterer Filmhalter mit zwei Streifen bestückt werden. ©Hermann Groeneveld

Der Filmstreifenhalter für Mittelformat: Oben mit einem 6 x 6 cm Filmstreifen zu drei Aufnahmen bestückt; unten mit zwei Aufnahmen im Format 6 x 7 cm. 6 x 9 cm wäre noch mit zwei Bildern möglich, bei 9 x 12 cm lässt sich nur ein Bild in diesem Halter platzieren. ©Hermann Groeneveld

Der Filmhalter für Großformatfotografien, 6,5 x 12 cm Filmgröße kann maximal verarbeitet werden. ©Hermann Groeneveld

Angenehm überrascht hat mich, dass alle Halterungen in doppelter Ausführung beiliegen. Während ein bestückter Filmhalter auf dem Scanner liegt und der Scanvorgang läuft, kann in der Zwischenzeit der zweite Halter am Leuchtpult vorbereitet werden.

Entwickelte und geschnittene Filmstreifen sind häufig leicht gewölbt, was beim Scannen sowohl bei Flachbett- als auch bei Filmscannern stets ein Schärfeproblem mit sich bringt (Schärfeabfall zwischen Bildzentrum und Bildrand). Kompensieren lässt sich dieses Manko durch nichts, außer durch eine vollkommenen Planlage des Filmmaterials während des Scans, denn die Schärfentiefe des Objektivs in der Scaneinheit ist minimal.

Vertrauenswürdig ist, dass Epson alle Filmhalter, ausser den Diahalter, mit einer Glasabdeckung ausgestattet hat, um eine absolute Film-Planlage und damit eine gleichbleibende, durchgehende Schärfe der Bilder vom Zentrum bis zum Rand zu ermöglichen. Leider konnte ich aus den technischen Daten nicht ermitteln, ob es sich um Anti-Newton-Beschichtungen der Gläser handelt, vermute es aber, da ich bisher keine Probleme mit störenden Newton-Effekten bei meinen Bildern feststellen konnte.

Erstaunlich ist, dass Epson dieses für mich mit kaufentscheidende Kriterium für diesen Scanner keine Silbe in den technischen Gerätedaten wert schien. Denn das ist ein signifikanter Vorteil des Perfection 850 Pro, gegenüber zahlreichen Mitbewerbern ebenso, wie gegenüber den kleineren Epson-Brüdern in der unteren Preisklasse, die mit glaslosen Filmhaltern ausgestattet sind. So vermisste ich dieses Feature auch bei meinem Perfection 4490 Photo.

Gleichwohl sind diese Glasflächen zusätzliche Staubfänger, was es bei den vorbereitenden Arbeiten zum Scannen in punkto Sauberkeit der Scanvorlage und der Glasflächen zu berücksichtigen gilt. Das in den Griff zu bekommen, macht erhebliche Mühe. Zudem muss das Licht beim Scannen, von der Lichtquelle kommend, eine zusätzliche Glasschicht durchdringen, bevor es auf die Vorlage trifft und von dort wieder den gleichen Weg zurücknimmt, zum CCD-Sensor (Charge Coupled Device). Jedes zusätzliche Medium, welches das Licht durchdringen muss, ist in gewisser Weise ein Störfaktor. Ich hätte mir daher die Glasabdeckungen der Filmhalter als Option gewünscht, also gegebenenfalls abnehmbar, im Falle dass die Planlage des Filmstreifens auch so gewährleistet ist. Hier gibt es aber durchaus Alternativen, auf die wir noch in einer der nächsten Folgen zurückkommen werden.

An der Rückseite des Perfection 850 Pro befinden sich alle Geräteanschlüsse:
1 – Wenn auch nur USB 2.0, das Kabel fällt dankenswerter Weise etwas länger aus.
2 – Das Verbindungskabel für die Durchlichteinheit, die sich im Deckel des Scanners befindet, muss stets gesteckt sein, wenn transparente Vorlagen (Filme) zu scannen sind.
3 – Die Transportsicherung muss neben einer weiteren Transportsicherung, zu der man nach Öffnen des Deckels gelangt, im Betrieb stets herausgenommen werden. Transportiert man den Scanner, sollten beide Sicherungen gesetzt sein.
4 – Netzanschluss mit Netzteil.  ©Hermann Groeneveld

 

Das dieser Scanner von Epson schon ein wenig in die Jahre gekommen ist, merkt man auch daran, dass er mit einem USB 2.0 Anschluss ausgestattet ist. Was aber nach meinen Erfahrungen kein Nachteil ist. Denn ein schnelleres Interface kann letztlich den Scanvorgang an sich nicht beschleunigen. Neben dem USB-Kabel liegt ein externes Netzteil mit Kabel bei. Um das Scannen von Filmmaterial zu ermöglichen, ist die im Deckel des Gerätes integrierte Durchlichteinheit verbaut, deren Anschlusskabel beim Durchlichtscannen an der Geräterückseite einzustecken ist. Wenn Du ausschließlich Filmmaterial scannen möchtest, steckst Du diesen Anschluss einmal und belässt es dabei. Nur wenn Du Aufsichtsvorlagen (Papierbilder, Dokumente usw.) scannen möchtest, ist das Kabel auszustecken und die Durchlichteinheit innen abzudecken. Darauf gehen wir aber hier nicht näher ein.

Gemäß den Abmessungen der beiden mitgelieferten Filmhalter für Kleinbild liegt die vom CCD-Sensor erfassbare Scanfläche bei 14,5 x 22,5 cm mindestens. Der Perfection V850 Pro unterstützt aber laut Herstellerangaben Filmformate bis zu 20 x 25 cm beim Scannen direkt vom Scannerglas, also ohne Filmhalter. Da liegt der Wunsch nahe, die beiden Filmhalter für Kleinbild und Mittelformat jeweils mit einem Slot mehr auszustatten. Im Kleinbildformat könnte man dann statt 18 Bilder 24 Bilder im Stapelmodus scannen. Und im Mittelformat statt nur drei 6×6 Aufnahmen eben zwölf. In der Tat waren die Filmhalter des Vorgängermodels Perfection 750 Pro jeweils mit einem Slot mehr ausgestattet – dafür aber ohne Glas und ohne die geniale Höhenverstellung, auf die wir noch zu sprechen kommen. Die Halter des 750 Pro würden übrigens auch für den 850 Pro passen, solltest Du mit dem Gedanken spielen, diese nachzukaufen.

Mir ist das Feature der Glasabdeckungen erheblich wichtiger, als ein Slot mehr oder weniger. Wie gesagt, als Option wäre es perfekt gewesen. Ein großes Manko ist das indes nicht, zumal es für einen vollständig zu scannenden Kleinbildfilm so oder so ein zweimaliges Bestücken eines Filmhalters bedarf. Ich vermute mal, Epson hat die Anzahl der Spots reduziert, um bei den Filmhaltern Gewicht einzusparen.

Zwei optische Systeme

Der Perfection 850 Pro verfügt über ein Dual Lens System: In der Scan-Software lässt sich der Scanner zwischen zwei optischen Systemen umschalten und damit der Fokus auf eine obere Ebene für Durchlicht-Scans (Filme) und eine untere Ebene für Durchlicht- oder Auflicht-Scans einstellen. Wichtig ist, die korrekte Einstellung zu treffen. Dass ist bei den drei möglichen Einstellungen des Scan-Programms im Auswahlmenü Dokumentenquelle anfangs ein Verwirrspiel, da die Dokumentation zu Epson Scan 2 leider etwas zu wünschen übriglässt: Für alle Filmhalter ist dies die Einstellung Durchlichtaufsatz; liegt die Vorlage, z.B. ein Dokument direkt auf der Glasplatte, ist die Einstellung Vorlagenglas zu wählen. Aber Achtung: Nur wenn es sich um nicht transparente Vorlagen handelt. Natürlich kann man auch einen Film (Negativ, Dia gerahmt oder ungerahmt) direkt auf die Glasplatte legen, also ohne Filmhalterung arbeiten, um dabei die Optik der unteren Ebene zu nutzen. Dann ist die Einstellung Durchlichtaufsatz (mit Bereichführung) zu wählen.

Es empfiehlt sich schon allein deswegen stets mit Filmhaltern zu arbeiten und den Film nicht direkt auf die Glasplatte zu legen, weil die Optik in dieser Einstellung deutlich höher auflöst. Laut Hersteller sind dies nominell 6400 dpi, aber nur 4800 dpi für die untere Ebene.

Höhenverstellbare Filmhalter

Ein weiteres Entscheidungskriterium für den Kauf dieses Scanners war für mich, dass alle Filmhalter höhenverstellbar sind und damit der Abstand der Filmebene zum Scannerglas um 2 mm in 0,5 mm Schritten variabel ist. Denn Flachbettscanner verfügen zumindest in dieser Klasse über keinen Autofokus sondern einen Fixfokus; somit muß die Scanvorlage in den Fokus der Scanoptik gebracht werden. Eine etwas mühsame Arbeit.

Die höhenverstellbaren Füße der einzelnen Filmhalter sind gut zugänglich. Jeder Halter verfügt über vier solcher Füße, die beim Scannen natürlich stets alle gleich eingestellt sein müssen. ©Hermann Groeneveld

Meine gezeigten Beispiele unten verdeutlichen, dass es offensichtlich keine optimale Höheneinstellung der Filmhalter für alle Scan-Jobs von transparenten Filmmaterialien gibt. Somit bleibt es Dir nicht erspart, dass Du dir zumindest einmal den Filmhalter für Deinen bevorzugten Film korrekt auf dem Perfection 850 Pro kalibrierst. Bei einem Filmwechsel spätestens solltest Du diesen neu einmessen. Allerdings nehme ich die zeitraubenden Vergleichsmessungen nur dann vor, wenn ich Bilder in höchster Qualität für Vergrößerungen archivieren will. Für erste Übersichts-Scans eines entwickelten Films, für Deinen Kontaktbogen-Ersatz sozusagen, genügt eine rudimentäre, mittlere Einstellung.

Ein Felsen und ein Baumstumpf in den Kuhflucht-Wasserfällen von Farchant, mit einer Mamiya 6×7-Kamera auf Kodak Ektachrome fotografiert. Erst der kleine Ausschnitt (weißes Quadrat auf dem Felsen) zeigt stark vergrößert die Ergebnisse verschiedener Höheneinstellungen des Filmhalters für Mittelformat: ©Hermann Groeneveld

Das bessere Ergebnis wurde mit der maximalen Höheneinstellung von 2 mm (Stufe 5) gescannt. ©Hermann Groeneveld

Bei diesem Scan wurde kein Höhenausgleich eingestellt ©Hermann Groeneveld

Alt-ehrwürdige Architektur in München: Ein Pfeiler der Hackerbrücke, mit der Rolleiflex 2,8 FX auf Ilford Delta 100 fotografiert. ©Hermann Groeneveld

Ohne Höhenkorrektur ©Hermann Groeneveld

Hier zeigt sich das bessere Ergebnis bei einer Höheneinstellung von nur 1 mm (Stufe 3). ©Hermann Groeneveld

Um die optimale Höheneinstellung zu ermitteln, führe ich Scans mit jeder der möglichen Höheneinstellungen in einer Auflösung von 6400 dpi durch. Die Scans sind unbearbeitet; alle bildoptimierenden Einstellungen in der Software Epson Scan 2 sind deaktiviert. Es entstehen somit sechs Scans der Höheneinstellungen 0 bis 5. Dann lade ich die Bilder in Affinity Photo, suche mir eine signifikante Bildstelle mit möglichst vielen feinen Strukturelementen aus, die ich dann bei jeder Testaufnahme mit 400 oder 800 Prozent bildschirmfüllend heraus zoome. Wichtig für eine visuelle Ermittlung der optimalen Schärfe-Ebene ist, dass bei allen Testbildern der exakt gleiche Bildausschnitt eingestellt ist. Beim Durchblättern der einzelnen Testbilder schließe ich nicht relevante Dateien nach dem Ausschlussverfahren, bis ein Bild übrig bleibt. Bin ich mir zwischen zwei oder drei Kandidaten unsicher, bringt bisweilen etwas Nachschärfen bei allen Kandidaten in Affinity Photo Klarheit.

Die aktuelle Software wartet im Internet

Die beigelegte Software besteht aus drei Paketen:

Epson Scan 2, hauseigene Scan-Software der Firma Epson (mit allen Scannern von Epson kompatibel);
SilverFast SE Plus 8, Scan-Software der Firma LaserSoft Imaging (nur mit diesem Scanner kompatibel);
Professional Color Management Software i1 SCANNER von der Firma x-rite.

Wir befassen uns zum Einstieg mit Epson Scan 2, in einer weiteren Folge mit SilverFast und weiteren Alternativen der Bilderfassung. Das Thema Color Management lassen wir außen vor.

Der Epson Perfection 850 Pro wird mit zwei Scan-Programmen und einer Farbmanagementlösung mit Farbtafeln ausgeliefert. Der Stand der beiliegenden CDs ist naturgemäß veraltet, und Computer werden teils garnicht mehr mit CD-Laufwerken ausgestattet. Man kann sich aber alle Anwendungen nebst Dokumentation problemlos von der Homepage der Hersteller herunter laden. ©Hermann Groeneveld

Am besten lädst Du Dir gleich die aktuellen Versionen der Scan Software direkt von der Homepage des jeweiligen Anbieters herunter, denn die CDs sind inhaltlich veraltet. Das gilt ebenso für die Dokumentation. Neuere Rechner werden ohnehin häufiger ohne CD-Laufwerk ausgeliefert. Obwohl der Perfection 850 Pro mittlerweile in die Jahre gekommen ist, die Scan-Software heißt jetzt Epson Scan 2 und ist sogar für die aktuelle Hardware von Apples M1 CPU und macOS Big Sur angepasst – wenn auch noch nicht perfekt optimiert.

Das könnte besser sein

Epson Scan 2 läuft weder auf meinem alten Apple iMac i5 noch auf meinem neuen Mac Mini M1 wirklich flüssig. Allzu oft sitze ich vor der rotierenden ‚Pizzascheibe‘, wenn ich Bildrahmen aufziehe und fein einjustierten will. Manchmal stürzt das Programm sogar ab. Startet man das Programm wieder, wird der Scanner nicht gefunden; man muss zuerst den Scanner aus- dann wieder einschalten und schließlich Epson Scan 2 neu starten. Auf einem ebenfalls neuen Lenovo Notebook mit Windows 10 läuft aber alles sehr geschmeidig und ohne Abstürze. Ich würde mir wünschen, das Epson den Treiber für macOS überarbeitet und hoffe auf Nachbesserung.

Als Technischer Redakteur fällt mir natürlich sofort auf, dass es an einem plausiblen Konzept für eine benutzerfreundliche, durchgängige Dokumentation für Hard- und Software mangelt. Mit der Applikation Epson Scan 2 verwenden gelangt man auf eine Website mit einer ausführlichen aber leider nicht ganz aktuellen Version der Dokumentation, in englischer Sprache. Bei den Menüs mag das manchmal etwas verwirrend erscheinen, glücklicherweise ist aber die Software an sich weitgehend selbsterklärend. Zudem lässt sich direkt aus dem Programm noch eine Online-Hilfe in deutscher Sprache aufrufen. Dann gibt es da noch die Online-Version EPSON-Handbücher, mit der man auf eine weitere Anleitung zu Epson Scan 2 stößt. Die aber auch viel Stirnrunzeln hervor ruft, ob der abgebildeten Screenshots der Menüs und Dialoge, die mit der Realität bisweilen wenig gemeinsames Aussehen haben. Das ganze kommt mir eher etwas planlos zusammengestückelt vor.

Die Dokumentation der Firma LaserSoft Imaging für das beiliegende SilverFast 8 dagegen ist erstklassig, wird durch ein reichhaltiges Online-Angebot aufgewertet und befindet sich damit stets auf dem neusten Stand. Wir kommen im Teil 2 darauf zurück.

Scan-Geschwindigkeit und -Auflösung

Sauberes Scannen funktioniert nicht auf Knopfdruck, egal wie teuer ein Scanner ist oder wie gut seine technischen Daten sind. Viele Tests sind nötig, bis der perfekte und individuelle Workflow steht, um dem persönlichen Qualitätsanspruch zu genügen, zum Beispiel im Hinblick auf Bildschärfe, Auflösung und Tonwertumfang. Ich vergleiche das Digitalisieren von Fotos und das Nachbearbeiten in einer Bildbearbeitung gerne mit meiner früheren Arbeit in der Hobby-Dunkelkammer: Die Rosinen auf einem entwickelten Film entdecken, sich Bild für Bild zu erarbeiten, um die besten Ergebnisse perfekt umzusetzen, das erfordert Muße und vor allem Zeit. Insofern bin ich für rekordverdächtige Geschwindigkeitsangaben bei Scanner-Vergleichen wenig empfänglich.

Hohe Scan-Geschwindigkeit und Automatisierung der Abläufe mögen eine gewichtige Rolle spielen, wenn für einen Zeitabschnitt mit einem permanent hohen Durchsatz zu rechnen ist, also zum Beispiel beim Digitalisieren ganzer Archive. Im Bereich der kreativen Hobby-Fotografie eines überzeugten Analog-Fotografen, liegt das Augenmerk auf höchst möglicher Qualität des Einzelbildes, im Rahmen eines permanent installierten Workflows.

Ähnlich verhält es sich mit der erzielbaren Auflösung eines Scanners: Die Hersteller brillieren bei der maximal möglichen Auflösung ihrer Geräte bisweilen mit astronomischen Werten, die sich häufig als leere Versprechungen entpuppen. Hier macht Epson leider keine Ausnahme, der Perfection 850 Pro ist mit 6.400 dpi Nominalauflösung angegeben, die er im Einsatz bei weitem nicht erreicht.

Die Auflösung wird in der Regel in Dots Per Inch (DPI), auch dpi, angegeben; bisweilen liest man auch Pixel Per Inch (PPI), oder ppi, was dasselbe ist. Das sagt aus, wieviel Bildpunkte, bzw. Pixel als kleinste, mögliche Bildinformation auf einer Strecke von einem Inch (2,54 cm) darstellbar sind. Nach welchen Kriterien die Scanner-Hersteller ihre Angaben festlegen, erschließt sich mir nicht wirklich vollständig. Ich vermute, die Werte orientieren sich an der Feinheit der Abtastschritte, welche die sich während des Scanvorgangs bewegende Scaneinheit (verbaute CCD-Sensoren und Feinmechanik der Schrittmotoren) realisieren kann. Die ist allerdings nicht allein ausschlaggebend für eine tatsächlich erzielbare Bildauflösung. Die optische Erfassung der Bilddaten stellt einen wesentlichen Qualitätsfaktor dar. Dies durch ein möglichst hochwertiges Objektiv und ein unter Umständen aus mehreren Spiegeln bestehendes System, die für die Bilderfassung benötigt werden. Zudem muss sich der zu scannende Film exakt im Fokus der optischen Einheit befinden, was gewissenhaftes Vorbereiten erfordert, wie geschildert.

Die tatsächlich erzielbare Bildauflösung Deines Scanners kannst Du selber ermitteln, was allerdings mit Aufwand und zusätzlichen Kosten in Höhe von etwa 70 Euro verbunden ist. Und Dir kaum noch als Entscheidungshilfe dienen kann, wenn Du den Scanner schon gekauft hast. Dazu wird nämlich ein sogenanntes Resolution-Target benötigt, welches Du beispielsweise bei LaserSoft Imaging erhältst, das SilverFast Resolution-Target (USAF 1951), eine ausführliche Dokumentation inbegriffen. Ich habe den Test durchgeführt, mit überraschenden Resultaten für die beiden Fokus-Ebenen des Dual Lens Systems: Der Scanner erreicht bei der Einstellung Durchlichtaufsatz (Einsatz von Vorlagen-Haltern, Aktivierung des höher auflösenden Linsensystems) und 6400 dpi eingestellter Scan-Auflösung mit 2900 dpi gerade mal 55 % des nominellen Wertes von 6400 dpi. Bei der Einstellung Vorlagenglas (Film liegt direkt auf der Glasplatte des Scanners, Aktivierung des etwas geringer auflösenden Linsensystems) sind es bei 4800 dpi gewählter Scan-Auflösung nur 2000 dpi, also nur etwa 40 Prozent des nominellen Wertes von 4800 dpi.

Fazit meines Tests: Du kannst mit dem Perfection 850 Pro bei Einsatz der Filmhalterungen mit optional ausgetesteter Höheneinstellung effektiv eine Auflösung von 2900 dpi erzielen.

Die optimale Konfiguration von Epson Scan 2

Was bedeutet das nun für die Praxis, wie solltest Du Deine Scan-Software Epson Scan 2 optimal konfigurieren? Auch wenn meine Messergebnisse hinsichtlich der erzielbaren Scan-Auflösung bei Dir vielleicht eine gewisse Ernüchterung ausgelöst haben mögen, Du kannst mit dem Epson Perfection 850 Pro und Epson Scan 2 hervorragender Ergebnisse erzielen, wenn Du ein paar Dinge beachtest.

Sinnlos ist es, Auflösungswerte einzustellen, die über der nominellen Auflösung von 6.400 dpi liegen. Die Scan-Software von Epson lässt gar eine Auflösungseinstellung von bis zu 12.800 dpi zu. Die Software würde kräftig interpolieren, also Bildpixel in die Datei hineinrechnen, die in Wirklichkeit nicht vorhanden sind, beziehungsweise die der Scanner von der Vorlage überhaupt nicht erfassen kann. Du würdest aufgeblähte Dateien als Ergebnis erhalten, die unnötig lange Scan-Zeiten provozieren, Speicherplatz fressen und Dir qualitativ keinen Mehrwert bescheren, sogar eher das Gesamtergebnis durch Schärfeverlust schmälern.

Stelle den vom Hersteller genannten nominellen Wert ein, beim Perfection 850 Pro sind das 6400 dpi beim Einsatz von Filmhaltern und 4800 dpi wenn die transparente Vorlage direkt auf dem Scanner-Glas liegt.

Ich empfehle, das Scan-Programm nicht als Bildbearbeitung zu nutzen, was mit den vorhandenen Werkzeugen zwar möglich wäre. Ich nutze Epson Scan 2 nur als reines Scan-Programm, schalte alle Korrekturfunktionen aus, außer der ICE-Funktion zur Reduzierung von Staub und Kratzern; ich speichere den Scan im verlustfreien tiff-Format. Damit entsteht ein nicht optimiertes, sogenanntes lineares tiff, wie die Kurve des Histogramms unten zeigt. Es enthält aber für die weitere Bearbeitung als beste Voraussetzung alle Informationen, die Scanner und Scan-Programm maximal erfassen können.

Einer von mehreren Wasserfällen in der Schlucht der Kuhflucht Wasserfälle von Farchant, mit einer Mamiya 6×7-Kamera auf Kodak Ektachrome aufgenommen. ©Hermann Groeneveld

Alle Korrekturfunktion in Epson Scan 2 wurden deaktiviert, außer der DIGITAL ICE Technology ©Hermann Groeneveld

Es entsteht ein lineares tiff, wie die Kurve zeigt. ©Hermann Groeneveld

Alle weiteren Korrekturen und Optimierungen führe ich in Affinity Photo aus und speichere das Ergebnis wiederum als tiff-Datei. Voraussetzung für die weitere Bildbearbeitung und Sicherung höchst möglicher Qualität ist die korrekte Einstellung der Farbtiefe im Scan Programm: Bei Farbaufnahmen sollte das 48 Bit, bei Schwarz-Weiß-Filmen 16 Bit-Graustufen sein.

Scanne stets mit der höchstmöglichen Farbtiefe. Das ist angesichts üppiger und günstiger Festplattenkapazitäten kein Problem. ©Hermann Groeneveld

Das gleiche Bild mit 48 Bit gescannt zeigt eine optimale Tonwertverteilung des Ergebnisses. ©Hermann Groeneveld

Am falschen Ende gespart: Nach einer Bildoptimierung eines 24 Bit-Scans sind Lücken im Histogramm sichtbar. ©Hermann Groeneveld

Unser Beispiel des Wasserfalls oben beansprucht als 24 Bit-Scan etwa 770 MB Festplattenspeicher; die 48 Bit-Version der Aufnahme etwa doppelt soviel. Warum also die speicherintensivere Einstellung im Scan Programm wählen, wo doch Drucke und das Internet mit 24 Bit arbeiten?

Die Farbtiefe gibt an, aus wie vielen Farbstufen jeder einzelne Bildpunkt gebildet wird. Wenn Du Deinen Scan hinsichtlich Kontrast, Helligkeit, Tonwerte, Gradation, Schärfe und Farben in einer Bildbearbeitung optimierst, was auf jeden Fall anzuraten ist, bekommst Du bei einem 48 Bit-Scan Reserven mitgeliefert, die einem Qualitätsverlust Deiner Aufnahme vorbeugen. Wenn jedoch Dein Scan in nur 24 Bit vorliegt, kommt es u. U. nach der Bildbearbeitung zu einer ungleichmäßigen Tonwertverteilung zwischen hellster und dunkelster Bildstelle und zu Lücken im Histogramm. Diese können sich bei feinsten Bilddetails bemerkbar machen, insbesondere bei grossen Farbräumen. Dabei entstehen schlimmsten Falls regelrechte Farbabrisse, an sensiblen Bildstellen befinden sich dann keinerlei Farbinformationen mehr.

Die größten Feinde: Staub und Kratzer

Man kann gar nicht genug sorgfältig bei der Vorbereitung einer Scan-Sitzung arbeiten, um mit einer wirklich sauberen, staubbefreiten und kratzerfreien Vorlage zu starten. Die beachtliche Bildauflösung des Epson Perfection 850 Pro verzeiht nichts, wo man bei einem LowCost-Gerät mit geringer erzielbarer Bildauflösung kaum Verunreinigungen wahrnehmen würde. Daher solltest Du Dir vor dem Scannen ein paar Tools zurechtlegen, oder gegebenfalls ein kleines zusätzliches Investment tätigen:

• Leuchtpult, ein unabdingbares Zubehör in der Werkstatt eines jeden Analogfotografen, zur Beurteilung Deiner Vorlagen;
• Lupe zur Beurteilung der Bildschärfe;
• Baumwollhandschuhe, denn Fingerabdrücke auf dem Filmmaterial lassen sich beim Bestücken der Filmhalterungen kaum vermeiden und zerstören Deine Vorlagen;
• Fussel freies Staubtuch zum Reinigen der Glasflächen des Scanners;
• Pustebalg mit Haarpinsel, zum Staub entfernen auf den Scanvorlagen.
• Pinzette für den Fall, dass es beim Film einlegen einmal klemmt.

Fündig wird man für all diese wichtigen Helferchen bei dem Berliner Unternehmen Fotoimpex, dass mit seinem Sortiment auf analoge Fotografie ausgerichtet ist.

An diesen kleinen Helferchen sollte man beim Scannen nicht sparen: Leuchtpult, Lupe, Baumwollhandschuhe, fusselfreies Staubtuch, Pustebalg mit Haarpinsel, Pinzette. ©Hermann Groeneveld

Die Scan-Software Epson Scan 2 verfügt über zwei Funktionen, um dem Problem Staub und Kratzer Herr zu werden, die aber nicht gleichzeitig anwendbar sind:
• Staubentfernung zur Entfernung leichter Staubspuren;
• DIGITAL ICE Technology bzw. DIGITAL ICE Lite Technology zum Entfernen hartnäckiger Staubablagerungen und Kratzer.

Mit der DIGITAL ICE Technology kannst Du laut Epson Staubspuren entfernen, welche die Funktion Staubentfernung selbst mit der Einstellung hoch nicht beseitigen kann, und zwar wahlweise Geschwindigkeits-optimiert (Lite) oder Qualitäts-optimiert. Ich habe nur mit der letzteren Einstellung brauchbare Ergebnisse erzielen können. Das Scannen mit DIGITAL ICE Technology dauert jedoch länger und verbraucht außerdem mehr Systemressourcen. Allerdings lege ich, wie schon erwähnt, vorrangig Wert auf hohe Scan-Qualität und halte mich nicht mit Geschwindigkeitsmessungen auf.
Bilder, die mit DIGITAL ICE Technology gescannt wurden, können geringfügig weicher anmuten als unbehandelte Scans. Ich kompensiere das in meiner Bildbearbeitung Affinity Photo mit dem Filter Unscharf maskieren.

Ein einst künstlich angelegter See im Alt-Landkreis Wolfratshausen und heute ein Natureldorado auch für Fotografen, mit der Mamiya 6x7auf Kodak Ektachrome kurz nach Sonnenaufgang eingefangen. ©Hermann Groeneveld

Der Ausschnitt zeigt das Ergebnis nach Einsatz der DIGITAL ICE Technology im Scan-Programm Epson Scan 2. Auch die Übersichtsaufnahme oben wurde bereits mit ICE behandelt und offenbart dennoch bei genauem Hinsehen kleinste Schwächen der Technologie: Ganz ‚clean‘ ist der Himmel im Bild oben nicht; es könnte sich um Verunreinigungen handeln, die sich außen auf den AN-Gläsern der Filmhalter befinden. ©Hermann Groeneveld

In den hellsten Bildstellen, hier zum Beispiel in der Wasserfläche des Sees, sind die Staubeinschlüsse ganz besonders auffällig. ©Hermann Groeneveld

Bei dieser Technologie handelt es sich um einen Standard, der als zusätzliche Hardwarekomponente im Perfection 850 Pro sowie in den meisten Film- und Flachbettscannern verbaut ist; das Scan-Programm steuert im Grunde nur die Funktion und führt die Bearbeitung der Bilddaten aus. Um störende Schmutz- und Staubpartikel, Fingerabdrücke oder kleine Kratzer auf dem zu digitalisierenden Filmmaterial zu erkennen, wird Infrarotlicht eingesetzt. Vereinfacht erklärt, sucht das Infrarotlicht sozusagen die an sich glatte Oberfläche des Films nach Erhebungen ab, die von Verunreinigungen herrühren oder nach Vertiefungen, die auf Kratzer hindeuten. Das Ergebnis wird der Software übermittelt, welche die Störungen heraus rechnet. Und das funktioniert nahezu perfekt.

Es gibt aber ein paar Einschränkungen, die Du berücksichtigen solltest. Die Technologie kann nur für Filme und Dias verwendet werden, nicht bei Aufsichtsvorlagen. Leider funktioniert das ICE-Verfahren mit Infrarot-Technik ebenso nicht bei Schwarzweiß Filmen. Denn die Silberschicht des Negativfilms lässt das Infrarotlicht nicht durch; dem an sich sehr zuverlässigen ICE-Verfahren ist es nicht möglich, eine Unterscheidung zwischen Störung und Bildinhalt zu treffen. Ausgenommen davon sind wiederum nur die sogenannte chromogenen Schwarzweiß Filme; diese basieren auf dem C41-Prozess und werden daher wie Farbnegativfilme entwickelt; Du kannst bei chromogenen Schwarzweiß Filmen ICE durchaus anwenden.
Ich musste feststellen, wenn sich Verunreinigungen außen auf den AN-Gläsern der Filmhalter befinden, versucht ICE zwar, diese zu entfernen, das gelingt aber nicht rückstandsfrei.
Somit bleibt Dir in den meisten Fällen das leidige und zeitintensive Ausflecken Deiner Schwarzweiß-Scans in einem Bildbearbeitungs-Programm nicht erspart. Aber auch bei mit ICE behandelten Scans rate ich dazu, die Ergebnisse in Deiner Bildbearbeitung bei einer Vergrößerung von 100 Prozent oder einem vielfachen Zoomfaktor, visuell abzuscannen um vielleicht doch verbliebene Störungen zu suchen und zu beseitigen. Fast alle Bildbearbeitungen verfügen dafür über eine komfortable Reparaturfunktion.

Mein Fazit zum Epson Perfection 850 Pro

Der Epson Perfection 850 Pro ist zwar schon in die Jahre gekommen, zählt aber bei den A4-Flachbettscannern mit Durchlichteinheit zur Oberklasse und ist ein Profi-Gerät, wenn es um das Scannen von Mittelformatfilmen geht. Die hauseigene Scan-Software Epson Scan 2 erfordert kurze Einarbeitung, ist in Ihrer Funktionalität auf absolut Wesentliches konzentriert und daher übersichtlich. Sie liefert gute Ergebnisse, die für Fotobücher allemal genügen, aber durchaus für Ausstellungsbilder mit einer Kantenlänge von bis zu 75 cm geeignet sind. In den nächsten Folgen werden wir uns mit weiterem Potential der Prozess-Optimierung rund um den Epson Perfection 850 Pro befassen. Hermann Groeneveld

Zuletzt aktualisiert am 27. November 2021 um 12:40 . Zwischenzeitlich können sich die hier angezeigte Preise geändert haben. Alle Angaben ohne Gewähr.
Kategorie Praxis, Ratgeber

Verheiratet, zwei erwachsene Kinder, eine Enkeltochter • Geboren 1956 in Ostfriesland • Aufgewachsen auf einem landwirtschaftlichen Betrieb • Photographie seit 1968, anfangs mit der Agfa Synchro Box • Schulzeit bis 1973 • Arbeit auf einem Bauernhof 1973 / 1974 • Übersiedlung von Ostfriesland nach München • Technische Ausbildung 1974 – 1977 in München • Seit 1977 Arbeit für verschiedene Firmen im technischen Bereich • Dozent für praktische Photographie an der Volkshochschule von 1981 bis 1983; Schwerpunkt: Landschaftsphotographie • Familiengründung und Übersiedlung in die Gemeinde Sauerlach 1983 • Seit 1991 als Technischer Redakteur tätig • Arbeit als Redakteur und Korrespondent für verschiedene Photozeitschriften und Artwork Magazine (1982 – 2004) • Veröffentlichung verschiedener Photobücher und Kalender über Natur und Landschaft, sowie die Basler Fasnacht • Bevorzugte analoge Kamerasysteme: Leica M und Rolleiflex / Rolleicord TLR • Digitale Photographie: Nur wenn es unbedingt sein muss (Fuji X-T) • Weitere Hobbys und Interessen: Kontrabass spielen, Raumfahrt, interplanetare Forschung • Lieblingsgericht: Was meine Frau gerade kocht